Ein Beitrag von Lilly Unruh
Die Corona-Pandemie, die zu Beginn des Jahres 2020 ihren Anfang nahm, stellte Menschen weltweit vor immense Herausforderungen. Auch vor den Mitgliedsstaaten der EU machte das Virus nicht Halt und bald meldeten zahlreiche Länder hohe Infektionszahlen und auch Todesfälle. Die EU war zu einer Reaktion auf eine Krise so starken Ausmaßes gezwungen und entwickelte verschiedene Strategien, um der neuen Situation Herr zu werden. In diesem Beitrag soll der Umgang der EU mit der COVID-19-Pandemie beleuchtet werden. Des Weiteren soll versucht werden, ein Fazit hinsichtlich Stärken und Schwächen der Strategien der EU zu ziehen.
Zu Anfang der Pandemie waren an vielen Stellen nationalstaatliche Reflexe sichtbar. Die Mitgliedsstaaten der EU fokussierten sich primär auf die eigene Bevölkerung und reagierten sehr unterschiedlich auf die Krise. Während in manchen Ländern ein strikter Lockdown oder Grenzschließungen beschlossen wurden, entschieden sich andere für eine mildere Herangehensweise. Man könnte an dieser Stelle auch von negativer Koordinierung sprechen, da gemeinsame Ziele und Lösungen zu Anfang eher zweitrangig waren. Dies kann vor allem damit erklärt werden, dass über die Gesundheitspolitik auf nationalstaatlicher und nicht auf EU-Ebene entschieden wurde. Die Bevölkerung reagierte teilweise mit Frustration und einem Wunsch nach mehr Solidarität, da unter anderem die plötzlichen Grenzschließungen stark in das Leben der Menschen eingriff.
Im weiteren Verlauf der Pandemie wurde immer deutlicher, dass nur eine gemeinsame Antwort adäquate Lösungen bringen würde. So wurden beispielsweise regelmäßige Treffen des Europäischen Rats abgehalten, um gemeinsame Strategien zur Corona-Bekämpfung zu diskutieren. Die EU begegnete der Corona-Krise außerdem auch in Form von finanzieller Unterstützung. Zunächst einmal wurde priorisiert, dass der freie Warenverkehr und grundlegende europäische Rechte so wenig wie möglich eingeschränkt werden. Dann entschied man im Juli 2020 über „Next Generation EU“, ein Wiederaufbau- und Solidaritätspaket, um auch finanziell schwächere Mitgliedsstaaten unterstützen zu können. Dies war insofern historisch, als die EU erstmals im großen Umfang Kredite aufnahm. Auch über die Beschaffung von Impfstoffen wurde zentral verhandelt, auch wenn dieses Vorgehen teilweise Kritik hervorrief, da die Verhandlungen zu Anfang langsamer verliefen als beispielsweise in Großbritannien oder den USA. Ein weiterer sehr zentraler Schritt in der Corona-Bekämpfung war die Einführung eines zentralen Impfzertifikats im Juli 2021. Zum einen war es ein starkes Signal, um den europäischen Zusammenhalt deutlich zu machen, zum anderen erleichterte dieses Zertifikat das Reisen erheblich und förderte die in Mitleidenschaft gezogene Tourismusbranche.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Corona Pandemie zum einen klar die Stärken der EU zum Vorschein brachte, an anderer Stelle aber auch Grenzen aufzeigte. Gerade zu Anfang der Pandemie wurde eine klare und einheitliche Koordination erschwert, da auf EU-Ebene Kompetenzen fehlten und die Nationalstaaten selbst die Entscheidungsgewalt über getroffene Maßnahmen hatten. Hier wurde am Anfang angesichts der Bedrohung eine klare Fixierung auf die eigene Bevölkerung sichtbar. Dies änderte sich aber mit der Zeit, da der Wunsch nach europäischer Solidarität in der Bevölkerung wuchs, und die EU konnte vor allem durch gemeinsame finanzielle Unterstützung der Staaten und einer größeren Integrationsdynamik im späteren Verlauf auch Chancen nutzen. Auch die Einführung des einheitlichen Impfzertifikats kann an dieser Stelle als deutliches Signal genannt werden. Die Corona-Krise kann auf EU-Ebene nicht nur als gesundheitliche, sondern auch als politische Herausforderung gewertet werden. Einer Krise dieses Ausmaßes musste sich die EU bislang nicht stellen und gerade zu Anfang wurde durchaus auch gezweifelt, ob sie diese überstehen würde. In der Retrospektive kann festgestellt werden, dass zwar an manchen Stellen Schwächen sichtbar wurden, die EU ihre Kraft aber unter Beweis stellen konnte.
Quellen:
- https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/coronavirus-response/safe-covid-19-vaccines-europeans/eu-digital-covid-certificate_de (zuletzt abgerufen: 11.01.2026)
- https://www.lpb-bw.de/corona-in-europa (zuletzt abgerufen: 11.01.2026)