1. Einleitung
Aktuelle Daten aus Umfragen zeigen, dass die EU trotz
anhaltender Krisen, wie dem Ukrainekrieg, der Energie- sowie der Migrationskrise,
immer noch eine sehr stabile Zustimmung innerhalb ihrer Bevölkerung erhält
(Sandor & Kollen, 2026). Fast die Hälfte (49%) der EU-Bürgerinnen und
Bürger haben ein „insgesamt positives“ Bild von der EU. Hier gegenüber stehen
lediglich 17% mit einem negativen Bild. Noch deutlicher wird die Zustimmung in
Sachen EU-Mitgliedschaft, hier sehen 62% die Mitgliedschaft ihres Landes als eine „gute Sache“. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, das zeigt die
Erhebung außerdem, genießt die EU sogar ein höheres Vertrauen als die nationale
Regierung. So erreicht die Regierung Merz im Schnitt 3,7 von 10 möglichen
Punkten auf der Skala in dieser Kategorie, während die Europäische Union 4,5
Punkte erhält.
Auch wenn die Europäische Union diese Zustimmung medial als
Sieg wertet, muss dieser vermeintliche Triumph kritisch betrachtet werden. Eine grundlegende Zustimmung ist nicht mit einer
bedingungslosen Treue zu verwechseln. So liegt Deutschland zwar im
EU-Durchschnitt, was Vertrauen angeht, aber der absolute Blickwinkel verrät,
dass 4,5 von 10 Punkten wahrlich nicht uneingeschränkt ist. Zustimmung ist
nicht die Abwesenheit von Kritik. Außerdem schwankt je nach Politikfeld die
Zustimmung respektive Ablehnung. Eine positive
Grundhaltung zum gesamteuropäischen Projekt schließt kritische
Auseinandersetzung nicht aus, sondern, im Gegenteil, beinhaltet sie. Fragen
nach der Identifizierung von Defiziten und der generelle Diskurs über mögliche
Verbesserungen prägt die öffentliche Wahrnehmung.
Dabei ist die öffentliche Wahrnehmung grundlegend für die Legitimation einer Regierung, auch wenn diese international agiert. Dieter Grimm (2022) spricht mit seinem Befund von einer „national fragmentierten“ Öffentlichkeit einen entscheidenden Aspekt in der Europäischen Union an: Während Entscheidungen supranational getroffen werden, ist die Berichterstattung auf die einzelnen Mitgliedstaaten aufgeteilt. Das Sprachrohr zwischen Regierenden und Regierten ist fragmentiert. Damit erschwert sich nicht nur eine gemeinsame Berichterstattung, sondern diese Tatsache nimmt auch Einfluss auf die Gesamtwahrnehmung der Europäischen Union. Genau die Untersuchung dieser Berichterstattung ist Ziel und zentrales Element dieser Arbeit. Dabei konzentriert sich die Arbeit zunächst auf den politikwissenschaftlichen Hintergrund, ehe sie sich mit deutschen Leitmedien auseinandersetzt und ihre Narrative ausmacht. Anschließend wird mit einer theoretischen Rückbettung verglichen, ehe das Fazit gezogen wird. Dabei wird argumentiert, dass die Berichterstattung sich durch einheitliche politische Bewertungen oder vielmehr durch unterschiedliche journalistische Logiken unterscheidet. Grundlegend ist die Frage: Welche Narrative über die Europäische Union werden in ausgewählten deutschen Medien konstruiert und wie stehen sie zu politikwissenschaftlichen Beschreibungen?



















