1. Einführung in die Thematik
Wie lässt sich Europa definieren, welche geografischen Grenzen hat Europa und was verbindet uns auf diesem Kontinent? Welche kulturellen Werte und Eigenschaften verbinden uns? Oder ist es vielleicht doch eher eine politische Gemeinschaft, die uns durch die Europäische Union verbindet, wenngleich nicht alle Staaten, die zu Europa gehören, auch zur EU gehören? Um die Frage zu klären, was uns in Europa verbindet, wird häufig eine weitere Frage gestellt — die nach der europäischen Identität. Doch wie kann eine Identifikation mit Europa entstehen bei so einem großen Kontinent? Der Empfehlung der Kultusministerkonferenz zufolge ist die Schule als Institution ein Ort, an dem der europäische Gedanke vermittelt und gelebt werden soll, und im Politikunterricht sollen sich Schülerinnen und Schüler mit einer europäischen Identität auseinandersetzen (2020, S. 4, 9).
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse dieser KMK-Empfehlung. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welchen Beitrag der Politikunterricht zur Entwicklung eines europäischen Bewusstseins beziehungsweise einer europäischen Identität leisten kann und welche Vorgaben sich hierzu aus der Empfehlung der Kultusministerkonferenz „Europabildung in der Schule“ aus dem Jahr 2020 ergeben. Ausgehend davon lautet die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit: Wie kann der Politikunterricht eine ‚europäische Identität‘ stiften, und wie adressiert die KMK-Empfehlung diesen Auftrag?
Mittwoch, 23. September 2026
Europäische Identität im Politikunterricht – eine Analyse der KMK-Empfehlung
Sonntag, 4. Oktober 2020
Europäische Identität und Demokratiedefizit
Eine kritische Auseinandersetzung mit der Europäischen Union ohne die Diagnose eines Demokratiedefizits kann nur noch selten gefunden werden. Eine Liste der Symptome wird fein säuberlich geführt und gelegentlich werden Behandlungsmethoden vorgeschlagen. Einer der Ansätze verweist zur Demokratisierung der Europäischen Union auf die Förderung einer europäischen Identität. Doch inwiefern kann diese tatsächlich dem Legitimationsdefizit entgegenwirken? Um in die Thematik einzusteigen, wird im Folgenden zunächst einmal kurz gezeigt, worauf sich die Kritik an der europäischen Demokratie bezieht.
Die Grundfrage in diesem Diskurs fragt zunächst nach den Eigenschaften, die eine repräsentative Demokratie legitimieren. Decker (2017) bezieht sich hier auf zwei Punkte, die erstmals von Robert A. Dahl hervorgebracht wurden. Demnach sollte ein demokratisches System einen politischen Wettbewerb ermöglichen. Parteien sollten auf der Basis unterscheidbarer politischer Ziele gegründet werden und an Wahlen teilnehmen. So wird sichergestellt, dass Bürger*innen politische Werte und Handlungen mit ihren Stimmen bewusst unterstützen oder ablehnen können.
Die zweite für Dahl legitimierende Eigenschaft einer Demokratie ist die gleiche Partizipation der Bürger*innen. Zunächst fußt diese auf ein allgemeines Wahlrecht. Gleichzeitig muss jedoch auch das Grundgefühl herrschen, dass eine Veränderung durch die Abgabe des Stimmzettels bewirkt werden kann. Beide Punkte können als miteinander verbunden angesehen werden. Es wird davon ausgegangen, dass ein stärkerer politischer Wettbewerb zu einer höheren formalen Partizipation in Wahlen führt. (vgl. Decker 2017, 167)
Werden diese Überlegungen von Dahl nun auf das europäische System übertragen, ergeben sich einige Defizite der europäischen Demokratie. Zunächst wird nach Decker der politische Wettbewerb durch die polity der Europäischen Union eingeschränkt. Grund dafür sei die ständige Suche nach einem Konsens unter den Beteiligten, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Beispiele hierfür können in den hohen Zustimmungshürden im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren und vor allem in einstimmigen Entscheidungen des Europäischen Rates hinsichtlich der Außen- und Sicherheitspolitik gefunden werden.
Freitag, 10. Mai 2019
Sammlung wichtiger Texte zu Europa
"Zu einer Zeit, in der die europäische Idee von vielen Seiten attackiert wird, zeigt diese Textsammlung – von Victor Hugo über Stefan Zweig bis Simone Veil und Joschka Fischer – die Aktualität der Inspirationen und Ideen, die das gemeinsame Europa ermöglicht und vorangebracht haben. Gerade jetzt lohnt es sich, diese Gründertexte wieder zu entdecken."
Donnerstag, 9. Mai 2019
Europatag: Essay von TGA im Guardian
Donnerstag, 4. April 2019
Euopäische Union im Unterricht - Herausforderungen im Schulalltag
„Die Schule hat die Aufgabe, die Annäherung der europäischen Völker und Staaten und die Neuordnung ihrer Beziehungen bewusst zu machen. Sie soll dazu beitragen, dass in der heranwachsenden Generation ein Bewusstsein europäischer Zusammengehörigkeit entsteht und Verständnis dafür entwickelt wird, dass in vielen Bereichen unseres Lebens europäische Bezüge wirksam sind und europäische Entscheidungen verlangt werden. Die Schule hat zudem die Aufgabe, Respekt vor und Interesse an der Vielfalt der Sprachen und Kulturen zu wecken und auszubauen.“ (KMK 2008)Diese Leitlinien hat die Kultusministerkonferenz erstmals am 8. Juni 1978 aufgestellt und am 5. Mai 2008 fortgeschrieben. Die Frage ist nun, wie werden die Empfehlungen umgesetzt und vor allem wie effektiv?
Donnerstag, 23. August 2018
EU-Exkursion 2018: Haus der europäischen Geschichte (III)
Die Finanzpolitik mit ihren Rettungsschirmen findet aus input-orientierter Sichtweise in den wenigsten EU-Staaten eine Legitimation. Auch lassen sich Entscheidungen auf europäischer Ebene nicht immer zwangsläufig aus output-orientierter Sichtweise begründen. Für diese bedarf es viel mehr eines „Gemeinschaftsgefühls“, welches die Bürgerinnen und Bürger der einzelnen EU-Staaten verbindet.
Das Haus der europäischen Geschichte setzt bei diesem Gedanken an und führt die Besucher kostenfrei durch die Geschichte Europas. Die Dauerausstellung mit dem Schwerpunkt des 20. Jahrhunderts schildert eindrucksvoll und emotional, wie Europa trotz der schrecklichen Ereignisse der beiden Weltkriege in der Europäischen Union und damit im Frieden zusammenfand.
Zum Motto „ In Vielfalt geeint“ passend, endet die Museumstour im obersten Stock mit einer leeren Wand, welche von Besuchern individuell beschriftet werden kann. Auch hier runden die Emotionen der Besucher die Ausstellung ab mit den verschriftlichten Eindrücken, die sie durch die Stockwerke gesammelt haben. Liest man sich durch die vielen Gedanken der Besucher, kann es bei dem einen oder anderen schon zu Tränen in den Augen kommen. Denn hier zeigt sich, was mit europäischer Identität gemeint ist: Die Liebe zur Europäischen-Union!
