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Donnerstag, 19. März 2026

„Bürokratiemonster“ und „Mehrebenensystem“: Narrative der Europäischen Union in deutschen Medien

1. Einleitung

Aktuelle Daten aus Umfragen zeigen, dass die EU trotz anhaltender Krisen, wie dem Ukrainekrieg, der Energie- sowie der Migrationskrise, immer noch eine sehr stabile Zustimmung innerhalb ihrer Bevölkerung erhält (Sandor & Kollen, 2026). Fast die Hälfte (49%) der EU-Bürgerinnen und Bürger haben ein „insgesamt positives“ Bild von der EU. Hier gegenüber stehen lediglich 17% mit einem negativen Bild. Noch deutlicher wird die Zustimmung in Sachen EU-Mitgliedschaft, hier sehen 62% die Mitgliedschaft ihres Landes als eine „gute Sache“. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, das zeigt die Erhebung außerdem, genießt die EU sogar ein höheres Vertrauen als die nationale Regierung. So erreicht die Regierung Merz im Schnitt 3,7 von 10 möglichen Punkten auf der Skala in dieser Kategorie, während die Europäische Union 4,5 Punkte erhält.

Auch wenn die Europäische Union diese Zustimmung medial als Sieg wertet, muss dieser vermeintliche Triumph kritisch betrachtet werden. Eine grundlegende Zustimmung ist nicht mit einer bedingungslosen Treue zu verwechseln. So liegt Deutschland zwar im EU-Durchschnitt, was Vertrauen angeht, aber der absolute Blickwinkel verrät, dass 4,5 von 10 Punkten wahrlich nicht uneingeschränkt ist. Zustimmung ist nicht die Abwesenheit von Kritik. Außerdem schwankt je nach Politikfeld die Zustimmung respektive Ablehnung. Eine positive Grundhaltung zum gesamteuropäischen Projekt schließt kritische Auseinandersetzung nicht aus, sondern, im Gegenteil, beinhaltet sie. Fragen nach der Identifizierung von Defiziten und der generelle Diskurs über mögliche Verbesserungen prägt die öffentliche Wahrnehmung.

Dabei ist die öffentliche Wahrnehmung grundlegend für die Legitimation einer Regierung, auch wenn diese international agiert. Dieter Grimm (2022) spricht mit seinem Befund von einer „national fragmentierten“ Öffentlichkeit einen entscheidenden Aspekt in der Europäischen Union an: Während Entscheidungen supranational getroffen werden, ist die Berichterstattung auf die einzelnen Mitgliedstaaten aufgeteilt. Das Sprachrohr zwischen Regierenden und Regierten ist fragmentiert. Damit erschwert sich nicht nur eine gemeinsame Berichterstattung, sondern diese Tatsache nimmt auch Einfluss auf die Gesamtwahrnehmung der Europäischen Union. Genau die Untersuchung dieser Berichterstattung ist Ziel und zentrales Element dieser Arbeit. Dabei konzentriert sich die Arbeit zunächst auf den politikwissenschaftlichen Hintergrund, ehe sie sich mit deutschen Leitmedien auseinandersetzt und ihre Narrative ausmacht. Anschließend wird mit einer theoretischen Rückbettung verglichen, ehe das Fazit gezogen wird. Dabei wird argumentiert, dass die Berichterstattung sich durch einheitliche politische Bewertungen oder vielmehr durch unterschiedliche journalistische Logiken unterscheidet. Grundlegend ist die Frage: Welche Narrative über die Europäische Union werden in ausgewählten deutschen Medien konstruiert und wie stehen sie zu politikwissenschaftlichen Beschreibungen?

Mittwoch, 7. Juli 2021

Fridays for Future und europäische Öffentlichkeit

In diesem Beitrag stellt Samuel Schaumann folgenden Aufsatz vor:

Huth, Tecla (2019): Fridays for Future – Entstehung einer supranationalen europäischen Öffentlichkeit?; in: Journal für korporative Kommunikation, Ausgabe 2/2019, S. 2-11, online unter: https://journal-kk.de/wp-content/uploads/2019/09/JkK-1902_final.pdf#page=3.

Der Aufsatz thematisiert den Beitrag der „Fridays for Future“-Bewegung zur Entstehung einer pan-europäischen Öffentlichkeit und beleuchtet die Entwicklung insbesondere vor dem Hintergrund des vielzitierten Demokratiedefizits der Europäischen Union, das (u.a.) als Folge einer fehlenden gemeinsamen europäischen Öffentlichkeit gilt.

Huth skizziert einleitend die Bedeutung der Protestbewegung „Fridays for Future“, welche einen europaweiten politischen Diskurs markiert und hinsichtlich des vermeintlichen Auflösens des Legitimitäts- und Demokratiedefizits in ihrer demokratietheoretischen Dimension von großer Relevanz sei. (vgl. S. 2) Der Einsatz für mehr Klimaschutz und die Forderung nach einer klimapolitischen Wende seitens vieler junger Europäer*innen im Rahmen der Protestbewegung werden als leidenschaftlicher Beitrag zum politischen Prozess der EU beschrieben.